REIHE : pictura & poesia

»EINE DICHTUNG IST WIE EIN GEMÄLDE: es gibt solche, die dich, wenn du näher stehst, mehr fesseln, und solche, wenn du weiter entfernt stehst; dieses liebt das Dunkel, dies will bei Lichte beschaut sein;… dies hat einmal gefallen, doch dieses wird, noch zehnmal betrachtet, gefallen.«

Diese Sätze sind zweitausend Jahre alt. Aufgeschrieben hat sie der römische Dichter Horaz in einem Brief an die Söhne eines römischen Stadtpräfekten; Sätze aus einer poetischen Epistel, die für viele Jahrhunderte das Zentrum der Reflexion über Dichtung bildeten.

Ut pictura poiesis – Eine Dichtung ist wie ein Gemälde, Dichtung ist wie Malerei: Diese fast magische Formel für das poetische Nachdenken über Kunst beschäftigt auch noch die Schriftsteller des 21. Jahrhunderts.

Das Bild als stumme Dichtung – dieser Aspekt ist Ausgangspunkt einer Lesungs- und Ausstellungsreihe des Kunstvereins Schieder-Schwalenberg. Wie reagiert ein bildender Künstler auf einen literarischen Text? Wie verbindet ein sowohl literarisch als auch bildnerisch arbeitender Künstler ‹poème image›? Es gibt viele Künstlerpaare – Schriftsteller und bildendeKünstler, wie z. B. Thomas Kling und Ute Langanky mit ihrem Projekt ‹Spleen›, Marcel Beyer und Jacqueline Merz, Oswald Egger und Katharina Hinsberg, oder auch beides in einer Person wie bei Barbara Köhler und Karin Irshaid.

Dr. Brigitte Labs-Ehlert, 2019

No. 2 ::  1. 12. 2019 bis 5. 1. 2020

3 Augenmerke

UTE LANGANKY . Foto / THOMAS KLING . Text

Die Künstlerin Ute Langanky  und der Dichter Thomas Kling  haben in ungewöhnlicher Weise als Lebens- und Kunstgemeinschaft zusammengewirkt. Entstanden sind zahlreiche gemeinsame Buch- und Mappenprojekte, Text- und Fotoserien, die in diesem schwierigen Terrain, visuelle und verbale Seite zusammenzubringen, Erstaunliches leisten. Text und Bild durchdringen, ergänzen und kommentieren sich. Immer galt es, das Nebeneinander von Wort und Bild im illustrativen bzw erleuternden Sinn zu vermeiden. Jedes Medium beansprucht seinen notwendig selbstständigen Wirkraum. Daraus entwickelt sich die Bild- bzw. Textfolge. Zum 200. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff im Jahr 1997 entstand die Arbeit ‹Spleen. Drostedialog›, eine 14teilige Abfolge von Schwarzweiss- und Farbfotografien, die als Präparate drostescher Verfaßtheit zu sehen sind, so wie das Langgedicht von Thomas Kling auf verschiedene prototypische Gemütsverfasssungen der Dichterin eingeht.

‹Ist mit Ute Langanky nicht eine Reporterin machtvoller Stille am Werk? Der es in der Anordnung als fortlaufendes Band gelingt, die Zeitlichkeit des Objekts in der Konstruktion für einen Moment zum Reden zu bringen? Der es gelingt, das punktuell Zeitliche in bewegten Abläufen zu konstruieren? Dies – die Bildwoge – ist der Leitgedanke von Langankys Fotografie›

(aus einer Einführungsrede von Thomas Kling
zur Fotografie von Ute Langanky, gehalten 1999).

 Ute Langanky (* 1957) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Richter und Alfonso Hüppi und parallel Philosophie an der Universität Düsseldorf. Seit 1984 freie künstlerische Arbeit und Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland, zuletzt (Auswahl) Blick auf Beowulf, Düsseldorf 2019; Flüchtige Entwürfe, Berlin 2019; Concrete, Leverkusen 2017; Thomas Kling. Double exposure, Köln 2017; Sehfahrer, Bremerhaven 2016; Seefarer, Köln 2014; Zur Leitcodierung, Bonn 2013; auf den Grund, Stiftung Schloß Benrath 2011. Ihre Arbeiten sind in verschiedenen öffentlichen Sammlungen vertreten. Seit 2006 Einrichtung und Betreuung des Thomas Kling Archivs / Stiftung Insel Hombroich sowie seit 2008 Einladende für Gastaufenthalte und Projekte des Field Institut Hombroich / SIH. Seit 2012 Lehrtätigkeit an der Universität Koblenz (Malerei/Fotografie).

Zahlreiche Veröffentlichungen, einige davon zusammen mit Thomas Kling (Auswahl):
wände machn, Aquarelle 1994; wolkenstein.mobilisierung, Linoldrucke, 1997; Catull. Das Haar der Berenice, Malerei u. Fotografie, 1997; gelände.camouflage, Fotosequenzen, 1998; Anamnese, Malerei, Fotografie u. Texte, 2001; Nachtwache, Fotografie u. Text, 2002; ZINNEN, Linocut-Paintings, 2002; Reproduktionen, Photooriginale, 2002; THE SEAFARER, Fotografie auf Bütten, 2004; THE SEEFARER, 12 Fotografien, 2014.
Ute Langanky lebt und arbeitet auf der Raketenstation / Stiftung Insel Hombroich.

Thomas Kling (1957 – 2005) ist eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Klings Gedichtbände – vor allem ‹erprobung herzstärkender mittel›, ‹geschmacksverstärker›, brennstabm›, ‹nacht.sicht.gerät›, ‹Fernhandel› und ‹Sondagen› – waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso wie seine Auftritte. Thomas Klings ‹Sprachinstallationen› markierten eine neue dichterische Position, die explizit die Präsentation im Vortrag einschloß.
(aus: Kunststiftung NRW)

Christian Reiner ist Sprecher von Gedichten, Prosa und experimentellen Texten. Solo und in unterschiedlichen Formationen arbeitet er an Hörstücken, Theaterprojekten, Lesungen, Konzerten und CD-Einspielungen. Seine Arbeiten sind meist im Zwischenbereich von Sprache und Musik zu finden. Mit seinen Rezitationen sah man ihn u. a. am Burgtheater Wien, in der Neuen Bühne Villach, in Graz und in Bregenz. Christian Reiner lebt in Wien.

gefördert von

Landschaftsverband Westfalen Lippe

No. 1 :: 10. 8. bis 22. 9. 2019

karin irshaid reise nach jerusalem

ZEICHNUNGEN . DRUCKE . OBJEKTE

Karin Irshaid ist Malerin, Zeichnerin und Objektemacherin. Zugleich ist sie Autorin, der es in beiden Bereichen um den Ausdruck von Sprache geht. Während sie in ihren Texten eine bildhafte Sprache spricht, geht bei der Malerei und den Objekten die Sprache über das Bildhafte hinaus, in den Bereich, der mit direkter Sprache nicht mehr erfassbar ist.

Karin Irshaid las zur Eröffnung am 10.08.2019 aus ihrem 16. Buch »Reise nach Jerusalem«

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gefördert von
Landschaftsverband Westfalen Lippe